Lehrstuhl-Special: Der Lehrstuhl für Optoelektronik (OTE)

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Prof. Bernd Witzigmann (Bild: FAU)

In unserem Lehrstuhlspecial stellen wir in jeder Ausgabe unseres Newsletters einen der Lehrstühle unseres Departments und den jeweiligen Lehrstuhlinhaber vor. Zum Auftakt des Jahres 2023 stellt sich der Inhaber des Lehrstuhls für Optoelektronik, Prof. Bernd Witzigmann, unseren Fragen.

 

Kurzinfo:

Name: Bernd Witzigmann

Lehrstuhl: Lehrstuhl für Optoelektronik

Forschungsgebiet: Halbleiterbasierte optoelektronische Komponenten für die Kommunikation, Beleuchtung, Energieversorgung, oder Sensorik

 

Lieber Herr Witzigmann, Ihr Forschungsgebiet und das Ihres Lehrstuhls ist die Optoelektronik. Könnten Sie uns bitte etwas mehr darüber erzählen? Was ist das genau und was macht es so spannend?

Forschung im Bereich der Optoelektronik befasst sich mit der Anwendung von Licht in der Elektrotechnik. Licht ist ein faszinierendes Werkzeug. Seine technologische Nutzung erlaubt es uns, Information auf Knopfdruck mit höchsten Datenraten rund um den Globus zu schicken, oder auf kleinster Skala einzelne Atome sichtbar zu machen. Mit meinem Hintergrund aus der Physik kommend war es enorm spannend, den Einzug der Optoelektronik in die Ingenieurswissenschaften zu verfolgen; in dieser Zeit steckte die Glasfaserkommunikation in den Kinderschuhen, und LED Flachbildschirme eroberten den Markt im Sturm.

 

Dann sind Sie also eigentlich Physiker? Was waren denn Ihre Stationen, bevor Sie Professor an der FAU wurden?

Richtig, ich habe an der Universität in Ulm Physik studiert. Nach meinem Studium habe ich eine Dissertation an ETH Zürich über Lasersimulation abgeschlossen. Bei meinem anschliessenden Aufenthalt in den USA erforschte ich zuerst optische Kommunikationssysteme in einem der renommiertesten Industrielabore, um danach in einem Startup Unternehmen Halbleitertechnologien für die Optoelektronik zu entwickeln. Danach kam ich wieder in die akademische Welt, mit einer Assistenzprofessur an der ETH Zürich, und einer Professur für Computergestützte Optoelektronik an der Universität Kassel. Im April 2021 bin ich dann einem Ruf an den Lehrstuhl für elektromagnetische Felder der FAU gefolgt, um dessen Leitung zu übernehmen.

 

Der Lehrstuhl hieß aber damals noch nicht „Lehrstuhl für Optoelektronik“.

Bei seiner Gründung am 01.07.1999 trug der Lehrstuhl noch den Namen „Lehrstuhl für Elektromagnetische Felder“ (kurz EMF). Die Umbenennung zum „Lehrstuhl für Optoelektronik“ (kurz OTE) erfolgte im Oktober 2021. Manche Studierende werden sich daher vielleicht noch an den alten Lehrstuhlnamen erinnern.

Der Lehrstuhl umfasst derzeit ca. 15 Personen, mit Thomas Dürbaum und Bernd Witzigmann als Professoren, wissenschaftlichen Mitarbeitern/innen, Technikern und dem Sekretariat. Daneben sind zahlreiche studentische Hilfskräfte bei uns tätig, die uns in der Lehre und Forschung unterstützen. Unsere Forschung konzentriert sich bei uns auf halbleiterbasierte optoelektronische Komponenten für die Kommunikation, Beleuchtung, Energieversorgung, oder Sensorik, sowie bei Prof. Dürbaum auf hochfrequent getaktete leistungselektronische Schaltungen sowie elektromagnetische Verträglichkeit.

Die Optoelektronik findet man heute im Alltag vielfältig vor, und wir arbeiten daran, die Effizienzen von Solarzellen oder LEDs zu verbessern, Datenraten in Glasfasernetzwerken zu erhöhen,  und Sensoren für die Medizintechnik zu entwickeln. In Zukunft werden Quantencomputer mit einzelnen Photonen Quanteninformation übertragen, oder LEDs nicht nur beleuchten, sondern auch desinfizieren können. Dazu möchten wir einen Beitrag leisten. Bernd Witzigmann

 

Wie muss man sich denn so den typischen Tag als Lehrstuhlinhaber vorstellen?

Der typische Tag für einen Lehrstuhlinhaber ist ein Tag voller Abwechslung – an einem Tag konzentriert man sich auf Lehraufgaben, wie man also Studierenden komplizierte Sachverhalte näherbringen kann. An einem anderen Tag ist man in der Forschung unterwegs, und bespricht mit seinem Team oder mit Kollegen in der Industrie oder anderen Universitäten, wie man den Stand der Wissenschaft voranbringen kann. Ich engagiere mich beispielsweise auch am Department beim Bestreben, die Möglichkeit des Verbundstudiums – also eine Art Duales Studium an der FAU in Kooperation mit einer Firma – zu etablieren.

Daneben hat ein Lehrstuhlinhaber auch eine Verwaltungsfunktion Personalvorgesetzter, Gremienmitglied und Kostenstellenverantwortlicher, bei der er tatkräftig von den Kolleginnen und Kollegen der Organisationbereiche, z.B. in der Geschäftsstelle des Departments, unterstützt wird.

 

Wann kommen denn Studierende mit dem Lehrstuhl das erste Mal in Kontakt?

Das passiert meist in den ersten Semestern des Studiums. Wir bieten nämlich die Vorlesung „Grundlagen der Elektrotechnik I“ sowie das zugehörige Praktikum an! Im weiteren Studienverlauf gibt es dann Spezialvorlesungen, in denen man z.B. Computermodelle programmieren lernt, mit denen man Halbleiterbauelemente entwickelt, oder die die optische Wellenausbreitung beschreiben. Derzeit ist auch ein Praktikum in Planung, bei dem Bauelemente wie Laser oder LEDs vermessen werden können, und man erfährt, wie z.B. eine Gesichtserkennung funktioniert.

 

Wie spannend! Da freuen wir uns schon auf die Erweiterung des Lehrangebots. Herzlichen Dank für das Interview!

 

 

Aktuelle Forschungsprojekte

Schon gewusst? Neben zahlreichen Einzelprojekten sind Prof. Witzigmann und der OTE auch an mehreren Großprojekten beteiligt: